Ausdauer versus Kraft

11/11 2011 Autor: Werner Kieser

Ab und zu werde ich gefragt, warum wir kein Training an  Ausdauergeräten – Ergometern, Laufbändern und dergleichen – anbieten. Die Antwort ist einfach: Weil Sie damit den Effekt des Krafttrainings aufheben. Alle Anstrengung umsonst!

Ausdauertraining unmittelbar vor dem Krafttraining bewirkt, dass das nachfolgende Krafttraining den für den Trainingseffekt notwendigen Aufbaustoffwechsel nicht mehr zu stimulieren vermag. Ausdauertraining unmittelbar nach dem Krafttraining führt zu Eiweissabbau und Entzündungsanzeichen.

Wenn Sie Ausdauertraining betreiben möchten, sollten Sie dies einige Stunden vor oder nach dem Krafttraining tun.

Dieser Sachverhalt wurde schon vor über 40 Jahren vom amerikanischen Krafttrainer Vince Gironda publiziert. Mittlerweile hat auch die Wissenschaft nachgezogen. Bis diese Erkenntnis in der Fitnesswelt insgesamt Fuß gefasst hat, werden erfahrungsgemäß noch Jahre vergehen.

Wenn Sie Ihr Ausdauertraining lediglich wegen seines gesundheitsfördernden Effektes betreiben möchten, reicht tägliches rasches Gehen (nicht Laufen) über die Gesamtdauer einer halben Stunde. Wobei dies auch „zusammengesetzt“, d.h. in mehreren Teilabschnitten erfolgen kann, indem Sie beispielsweise kürzere Strecken zu Fuß zurücklegen, statt mit dem Auto und auch mal die Treppe nehmen statt Aufzug und Rolltreppe zu benützen. Dazu benötigen Sie weder spezielle Trainingsgeräte, noch müssen Sie sich verkleiden. Damit senken Sie Ihr Infarktrisiko schon um 15%. Viel mehr erreichen Sie auch mit noch so extensivem Ausdauertraining nicht.

Literatur zum Thema Hoppeler, H. (et al.), „Molekuläre Mechanismen der Anpassungsfähigkeit der Skelettmuskulatur“ Schweizerische Zeitschrift für Sportmedizin und Traumatologie 59 (1) 6-13, 2011

Colombani, P. Fette Irrtümer. Zürich, Orell Füssli. 2011

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