Antwort zu Instinkte
27/01 2012
Nach Instinkt trainieren? Da bin ich eher skeptisch. Hätten wir Instinkte – die der Biologe und Nobelpreisträger Portmann dem Menschen als „biologische Frühgeburt“ bekanntlich abspricht – würden wir alles Mögliche tun, aber bestimmt nicht trainieren. Das Ideal des Körpers ist der Status quo. Und er wehrt sich vehement gegen dessen Störung. Diese Homöostase zu stören, ist aber genau der Zweck des Trainings. Ohne die rationale Einsicht in dessen Notwendigkeit würde sich niemand einem Training unterziehen. Natürlich ist des sinnvoll wenn ich meine Reaktionen beobachte und aufzeichne, wenn dies mit dem „eigenen Weg finden“ gemeint ist. Aber an ein „Wissen“ des Körpers was für ihn gut ist, kann ich nicht glauben.
Selbstverständlich gibt es individuelle und trainingsrelevante Unterschiede wie die Dominanz eines Fasertypus, die Erholungsdauer nach dem Training, die Erlebnisweise der Leistungsgrenze oder Azidose und viele andere physiologische und psychologische Faktoren. Doch sind auch diese ausschließlich empirisch ermittelbar. Der Körper als System sucht sich stets und automatisch den Weg des geringsten Widerstandes.
Ihr Werner Kieser
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