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Aufstehen und kämpfen

Zweimal hat sich das Leben von Gregor Olejarz radikal verändert: Beim ersten Mal ging er nur zum Kiosk – beim zweiten Mal in ein fremdes Land.

Name: Gregor Olejarz

Geburtsdatum: 23.10.1966

Beruf: Franchisenehmer, Kieser Training Fürstenfeldbruck

Hobbys: Moderner Vierkampf (Mannschafts-Weltmeister 2016), Angeln

Kraft bedeutet für mich: frei zu sein.

Gregor war zehn Jahre alt, als es den ersten tiefen Einschnitt in seinem Leben gab. Er wohnt mit seiner Familie in dem kleinen Ort Tychy, in der Nähe der südpolnischen Stadt Kattowitz. Es ist ein Tag Mitte Oktober. Seine Mutter schickt ihn zum Kiosk, er soll Shampoo kaufen. Unterwegs sieht er plötzlich Dampf aus dem Rasen hochsteigen. Er will darüber laufen, einfach so, aus Spaß. Was er nicht weiß: Der Dampf stammt von einem geplatzten Heißwasserrohr, der Rasen ist bereits unterspült. Dann geht alles ganz schnell: Der Boden gibt unter ihm nach, er steht plötzlich bis zum Bauch in heißem Wasser. Die Haut am linken Bein ist komplett verbrüht, ein Drittel seines Körpers eine offene Wunde. Wegen der Infektionsgefahr muss er mehrere Wochen isoliert im Krankenhaus verbringen. Seine Eltern kann er in der Zeit nur hinter Glas sehen und nur über Kopfhörer mit ihnen sprechen. Er will nichts essen und ist müde von den vielen Schmerzmitteln. Da macht ihm ein Arzt klar, dass er kämpfen muss, wenn er das Krankenhaus wieder verlassen will. Der Junge setzt sich kleine Ziele: aus dem Bett steigen, auf dem Flur laufen. Schritt für Schritt geht es voran. Ein Jahr später ist er zurück in seinem normalen Leben, vierzig Jahre später wird er Weltmeister im Modernen Vierkampf. Gregor Olejarz ist überzeugt, dass er den sportlichen Erfolg auch dem Unfall zu verdanken hat und dem, was er dadurch gelernt hat: durchhalten, sich durchbeißen und nach einer Niederlage aufstehen und weiterkämpfen.

Das Training

Beim Fechten – neben Schwimmen, Laufen und Schießen eine der Disziplinen im Modernen Vierkampf – braucht man Kraft und Feinkoordination im Unterarm. Bei Kieser Training gibt es eine eigene Maschine zur Stärkung der Unterarmmuskulatur. Gregor Olejarz macht fünf spezielle Übungen für diese Muskulatur. Nicht nur fürs Fechten, sondern für alle Sportarten ist Kraft die Grundlage. Er macht deshalb zwei- bis dreimal pro Woche Krafttraining.


Durchbeißen muss er sich auch bei der zweiten großen Wende in seinem Leben. Es war im November 1989. Wirtschaftlich geht es Polen nicht gut, den jungen Erwachsenen fehlen die Perspektiven. Gleichzeitig lockern sich die Grenzen, Reisen ins westliche Ausland werden plötzlich genehmigt. Gregor Olejarz ist 23 Jahre alt. Er sagt seinen Eltern, dass er zu einem Leichtathletik-Wettkampf nach Deutschland fahren will. Was er wirklich will, ist ein neues Leben. In seinem Sportstudium steckt er fest, er kann in Polen nur auf Lehramt studieren, will aber nicht an der Schule arbeiten. Der Vater möchte ohnehin lieber, dass sein Sohn Maschinenbau studiert. Mit Sport kann der Vater nichts anfangen, er wettert gegen die „Vollidioten, die auf einem Spielplatz nach Zeit laufen“. Olejarz sagt kurz vor der Abreise zu seinen Eltern, dass er vielleicht länger bleibe. Er will neu anfangen in dem Land, dass er nur von Fotos aus dem Erdkundebuch kennt und von den Geschichten der deutschsprachigen Großmutter, bei der er lebte, bis er drei Jahre alt war. Er kommt in ein Auffanglager für Spätaussiedler im westfälischen Hamm, in eine riesige Halle mit Etagenbetten und 500 Menschen. Wieder geht es Schritt für Schritt voran: Er nimmt Sprachunterricht und beginnt, in einem Sportverein zu trainieren. Das polnische Abitur wird nicht anerkannt, also macht er das deutsche nach. Als Olejarz ein Stipendium für das Sportstudium bekommt, erfüllt sich ein Traum. Zumal er bei der ersten Schwimmstunde seine jetzige Frau kennenlernt, die ebenfalls aus Polen kommt und mit 18 alleine mit dem Rucksack nach Deutschland gereist ist. Heute ist seine Familie – seine Frau Irena, seine 23-jährige Tochter Astrid und sein 18-jähriger Sohn Dominik – sehr wichtig für ihn. So wichtig, dass er im Gespräch gar nicht über seinen Weltmeistertitel von 2016 im Modernen Vierkampf redet, sondern viel lieber vom Familienstart in derselben Sportart beim jährlichen Winterpokal. Für ihn ist es das Ereignis des Jahres, wenn sie als Familie gemeinsam an den Start gehen. Olejarz erzählt, wie er mit seinem Sohn als Team beim Fechten antritt und wie dieser ihn mit einem „Komm Papa, den packst du“, anfeuert. Für diese besonderen Momente mit der Familie würde er alle bisher erreichten Titel eintauschen.

Text: Monika Herbst
Fotos: Verena Meier