Zivilisationskrankheiten

Was tun bei Bluthochdruck?

Über 100‘000 Kilometer lang wären die Blutgefäße unseres Körpers, wenn wir diese aneinanderreihen würden. Sie durchdringen Muskeln und Organe und versorgen einzelne Zellen. Damit die Muskeln in Aktion Sauerstoff und Nährstoffe erhalten und Abfallprodukte abgeben können, weiten sich die Blutgefäße. Sobald der Muskel wieder ruht, verengen sie wieder.

Damit das Blut in der geforderten Zeit durch das gesamte Gefäßsystem zu den Organen und Geweben fließen kann, muss es unter Druck stehen. Dafür sorgen eine Pumpe und der Widerstand der Gefäßwände. In unserem Körper entspricht diese Pumpe dem Herzen. Dieses rund 300 Gramm schwere und faustgroße Organ wird oft als der Lebensmotor des Menschen bezeichnet. Das Herz pumpt ohne Pause Blut und versorgt über die Kapillargefäße jede einzelne Zelle des Körpers. Rund 100‘000 Mal am Tag schlägt das Herz und fördert ungefähr 7‘000 Liter Blut in den Kreislauf, indem es sich zusammenzieht und erschlafft.

Blutdruck bezeichnet den Druck in unseren Blutgefäßen und wird in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) angegeben. Dieser Druck ist nicht konstant. Er schwankt permanent. Werden sie zum Beispiel angebrüllt, dann steigt der Blutdruck. Auch wenn wir eine Rede vor Menschen halten, steigt der Blutdruck aufgrund der Aufregung um 20 bis 30 mmHg nach oben. Diese Erhöhung ist absolut ungefährlich, solange dieser nicht auf diesem erhöhten Niveau chronisch verharrt.

Wenn Ihr Arzt den Blutdruck untersucht, misst er das Steigen und Fallen des Blutdrucks:

  • Der obere oder systolische Blutdruckwert entsteht, wenn sich die Herzkammer zusammenzieht und der Druck in den Gefäßen am höchsten ist. Als normaler Wert wird der Bereich zwischen 120 und 139 mmHg definiert.
  • Der untere Blutdruckwert entsteht, wenn sich das Herz entspannt und der Druck in den Gefäßen am niedrigsten ist. Als normaler Wert wird der Bereich zwischen 80 und 89 mmHg definiert.

Wenn die Blutdruckwerte bei 140/90 mmHg oder darüber liegen, spricht man von Bluthochdruck oder Hypertonie. Ein zu hoher Blutdruck ist ein bedeutender Risikofaktor für einen Schlaganfall, einen akuten Myokardinfarkt, eine Herzinsuffizienz und den plötzlichen Tod. Mit dieser Definition besitzen mehr als 20% der Bevölkerung einen zu hohen Blutdruck Bluthochdruck gehört zu den heimtückischen Krankheiten, die sich erst bemerkbar machen, wenn es zu spät ist. Es hilft also nur regelmäßiges Messen und im Zweifelsfall die Abklärung beim Herzspezialisten. Die wichtigsten zusätzlichen Risikofaktoren sind Übergewicht mit Betonung des Bauchfetts, erhöhte Blutfette, Rauchen, ein erhöhter Blutzuckerspiegel sowie das Vorkommen von Herzinfarkt und Schlaganfall in der Familie. Bei 90% aller Bluthochdruck-Patienten liegen die Ursachen in der genetischen Veranlagung und im Lebensstil (1). Ihre Erbanlagen sind unveränderlich, nicht aber Ihr Lebensstil. Hier sollten Sie ansetzen – am besten bevor eine medikamentöse Behandlung nötig wird.

Gerade bei Patienten mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems betrachtete man Krafttraining bis vor wenigen Jahren als kontraproduktiv oder sogar als gefährlich. Der Grund dafür lag in der Tatsache, dass während eines Krafttrainings der Blutdruck zu sehr ansteigt, was für Herzpatienten ein Risiko birgt. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass die bisherige Zurückhaltung nicht grundsätzlich notwendig ist. Im Gegenteil: Krafttraining kann über die Verbesserung der Muskelkraft einen entscheidenden Beitrag zur Wiederherstellung der Lebensqualität leisten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. empfiehlt aufgrund positiver Einflüsse auf gesundheitlich relevante Faktoren ein moderates Krafttraining für Patientengruppen mit geeigneter Symptomatik.

Das Ausmaß der durch Krafttraining erzeugten Verringerung des systolischen Blutdrucks (ca. 5-6 mmHg) und diastolischen Blutdrucks (ca. 3-4 mmHg) ist mit einer Reduzierung von ca. 18% der häufigsten kardiovaskulären Ereignisse assoziiert (2). Diese vorteilhaften Auswirkungen von Krafttraining auf den systolischen und diastolischen Blutdruck gelten auch für Personen mit Bluthochdruck. In der Tat erreichen, im Vergleich zu Personen mit normalem Blutdruck, Personen mit Bluthochdruck nach Krafttraining die größte Senkung des Blutdrucks (3). Wenn man bedenkt, dass die Senkung des systolischen und diastolischen Blutdruckes als Eckpfeiler in der Prävention bei Personen mit Bluthochdruck ist (4), muss Krafttraining als Ergänzung oder sogar als alternative Behandlung im Gesundheitswesen dienen, ja sogar zu allgemein verschriebenen, blutdrucksenkenden Medikamenten.

Studien mit Herzpatienten belegen, dass bereits ein niedrig dosiertes Krafttraining zu signifikanten Trainingseffekten führt. In einem Zeitraum von 10 bis 12 Wochen konnten durchschnittlich Muskelkraftzuwächse von 20 bis 40% erreicht werden (5). Der Bewegungsablauf wird harmonischer, Energie- und Kraftaufwand reduziert. Die Folge ist eine verringerte Herzfrequenz und Blutdruckreaktion auf eine Kraftbelastung wie z. B. das Heben eines Wasserkastens, was wiederum zur Schonung des Herz-Kreislauf-Systems beiträgt. Die Lebensqualität wird dadurch merklich verbessert und erleichtert dem Patienten somit die Rückkehr zu einem aktiven Lebensstil. Gerade für Patienten, die durch ihre Erkrankung und der damit verbundenen körperlichen Schonung an Muskelkraft und -masse verloren haben, ist ein dosiertes Krafttraining als Ergänzung zum Ausdauertraining besonders empfehlenswert. Entlasten Sie mit Krafttraining präventiv als auch rehabilitativ Ihren Blutdruck, indem Sie Ihre Muskeln fördern.


Quellenangaben:

1. Robert Koch Institut. Statistisches Bundesamt, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 43, Hypertonie.

2. Blood Pressure Lowering Treatment Trialists Collaboration (2014). Blood pressure-lowering treatment based on cardiovascular risk: a meta-analysis of individual patient data. Lancet 384, 591–598.

3. MacDonald, H. V., Johnson, B. T., Huedo-Medina, T. B., Livingston, J., Forsyth, K. C., Kraemer, W. J., et al. (2016). Dynamic resistance training as stand-alone antihypertensive lifestyle therapy: a meta-analysis. J. Am. Heart Assoc. 5, 1–15.

4. Joseph, P., Leong, D., McKee, M., Anand, S. S., Schwalm, J. D., Teo, K., et al. (2017). Reducing the global burden of cardiovascular disease, part 1: the epidemiology and risk factors. Circ. Res. 121, 677–694.

5. Konstantinos A. Volaklis and Savvas P. Tokmakidis (2005). Resistance Exercise Training in Patients with Heart Failure. Sports Med. 35, 1085-1103.

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